Dienstag, 1. Mai 2018

Heather Dahlgren: "Renegade"

Mit kaum Mitte 20 führt Brooklyn ein solides Leben: Sie ist leitende Angestellte in einer kleinen Bank, besitzt ein eigenes kleines Haus und auch ihren Freund Hank kann man getrost als „solide“ bezeichnen. Alles zusammen ergibt in Brooklyns Augen zwar ein sehr eintöniges und langweiliges Leben, zumal Hank sehr an Routinen festhängt und von diesen auch niemals abrücken möchte, aber eben doch auch ein funktionierendes.
Unvermittelt wird Brooklyn von Poppy, ihrer besten Freundin noch aus Schulzeiten, eingeladen, für einige Tage spontan zu ihr nach New York zu reisen: Poppy ist das totale Gegenteil Brooklyns; sie lebt ein wildes und vor Allem abwechslungsreiches Leben als Managerin einer überaus erfolgreichen Rockband und ist dabei schon länger fix mit einem der Bandmitglieder liiert.
Brooklyn nutzt ihre Chance und die Gelegenheit, um auch Poppys Lebensstil einmal näher kennenzulernen und einfach mal spontan zu sein: So trifft sie unter Anderem auf  Crosby „Fitz“ Fitzgerald, der Leader von „Renegade“, eben jener von Poppy gemanagten Band.


Beide fühlen sich gleich zueinander hingezogen, aber Fitz führt ein unstetes Rockstar-Leben, welches er in vollen Zügen (und selten einem leeren Bett) geniesst, und Brooklyn ist doch nur auf Stippvisite, ehe sie in ihr geregeltes, durchstrukturiertes Leben zurückkehren wird… „so richtig“ können Fitz und sie auch einfach nicht wirklich zusammen passen, oder doch?

Heather Dahlgren: „Renegade“


Ja, da bin ich mal wieder mit der Vorstellung eines Buchs von Heather Dahlgren, von der ich schon diverse Bücher vorgestellt habe (siehe entsprechende Verlinkungen am Ende dieses Beitrags) und die inzwischen zu meinen liebsten Schreiberinnen von Junge-Erwachsene-Romanzen zählt. Ich kann mir auch nicht erklären, wieso sie noch so unbekannt ist; meiner Meinung nach steht sie längst etablierten Autorinnen wie beispielsweise Lauren Layne definitiv in nichts nach. Wenn ihr jene Autorin gerne lest (Ähnliches gilt übrigens beispielsweise ebenso für Alice Clayton oder Monica Murphy), wird euch bestimmt auch Heather Dahlgren zusagen!

„Renegade“ ist nun eine typische Rockstar Romance; etwas ungewöhnlich eventuell der Umstand, dass Brooklyn durch ihre beste Freundin direkt in besonders engen Kontakt zur Band kommt und hier keines der häufigen Zufallskennenlernen stattfindet, und Fitz stellt sich zwar schnell als ziemlicher Casanova heraus, der allzu gerne auf die zahlreichen Groupies (im wahrsten Sinne des Wortes) anspringt, aber so den ganz grossen Bad Boy stellt er dann doch nicht dar. Brooklyn ist weniger graue Maus als viel mehr jemand, der komplett unterworfen wird: Ihre Beziehung zu Hank ist sehr schräg; für einen Mittzwanziger ist Hank so spiessig, dass „spiessig“ eine totale Untertreibung ist, und im Leben derart völlig festgefahren, dass er sich wahrscheinlich sehr gut mit Dr. Sheldon Cooper oder auch Professor Don Tillman verstehen würde. Allerdings sind Letztere wohl deutlich offener als Hank. Hank krallt sich an den fixen Strukturen und Routinen fest, die zum Beispiel auch Sex nach Zeitplan vorsehen, und die ihn entsetzt (und zudem sehr abfällig) reagieren lassen, wenn Brooklyn ihn sexy aufgebrezelt zu verführen versucht.  Dabei wird Hank nichtmals ein Asperger-Typus aufgedrückt, sondern er scheint das Leben so tatsächlich echt nur „bequem“ zu finden.
Diese „Beziehung“ erinnert sehr an ein mürrisches Ehepaar, das sich nach 30 Jahren Ehe einfach nur noch miteinander arrangiert, und ich fand es schon ein wenig schockierend, dass Brooklyn und Hank noch nichtmals nur drei Jahre lang zusammen gewesen  sein sollten. Dass die Beziehung zwischen Hank und Brooklyn nicht viel länger funktionieren kann, wird schon ganz am Anfang klar, wenn Brooklyn ihr Leben schildert.
„Renegade“ wird abwechselnd von Brooklyn und Fitz erzählt, und auch wenn sich beide erstmal nur rein platonisch annähern: „Renegade“ ist schon ein ziemliches Bumsbuch. Fitz ist nicht das einzige Bandmitglied, das nichts anbrennen lässt, und da werden die willigen Damen im Tourbus auch schonmal geteilt. Ich finde Sex, den ich nicht selbst habe, ja eher ermüdend und für mich strecken ausschweifende Sexszenen Romane zumeist einfach nur; ich habe in „Renegade“ da dementsprechend so einige Seiten einfach nur überflogen: Wer seine Lektüre gerne sexuell explizit dargestellt hat, wird an „Renegade“ in der Hinsicht wohl auch Freude haben.  

Das Gros von „Renegade“ nimmt Brooklyns Besuch in  New York ein: Da muss man sich also auch nicht unnütz lange über Hank, sein Verhalten und Brooklyns Akzeptanz desselben ärgern.

Überraschend ist hier nichts, die Handlung fügt sich doch sehr in die Reihen der bekannten Rockstar Romances ein; dabei ist „Renegade“ keineswegs langweilig, wozu sicherlich auch Dahlgrens Schreibstil sehr beiträgt. Ich habe den Roman auf dem Balkon in der Sonne sitzend ganz relaxed weggelesen und mich dabei gleichzeitig an guter Unterhaltung sowie einem schönen Frühlingstag erfreut.
Das deutlich verrücktere „Perfect Tenn“ bleibt allerdings vorerst wohl weiterhin mein Lieblingstitel dieser Autorin, nach wie vor gefolgt von zumindest den ersten beiden Bänden der „Change“-Reihe, aber deren dritter und letzter Teil muss zumindest bei mir nun dann doch  hinter „Renegade“ zurückstecken.
(Schaut euch unbedingt auch mal die anderen Bücher von Heather Dahlgren an!)

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Heather Dahlgren: „Renegade“ – eine schön zu lesende Rockstar Romance mit recht viel Sex!
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„Renegade“ von Heather Dahlgren, erschienen im August 2016
Amazon: Kindle eBook (0,99€)*  [derzeit auch via KindleUnlimited verfügbar]  / Taschenbuch (9,52€ [238 Seiten])*



Rezensionen zu weiteren Büchern Heather Dahlgrens auf diesem Blog:
a) „Change“-Reihe (dreiteilig, in sich geschlossene Bände, abgeschlossene Serie)
1. 
„Changed“
2. „Commitment“
3. „Conflicted“
b) „Sexy“-Reihe (bislang zweiteilig, in sich geschlossene Bände, Serie noch nicht abgeschlossen)
1. „Behind the Lens“
2. „Behind the Book“
3. „Behind the Lies“ (nach wie vor noch nicht erschienen, voraussichtliche VÖ hätte im Mai/Juni 2016 stattfinden sollen)
c) "Teacher" (in Zusammenarbeit mit Ella Emerson, alleinstehender Roman)
d) "Perfect Tenn"(ebenfalls standalone)

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