Donnerstag, 8. Februar 2018

Veronica Henry: "How to Find Love in a Book Shop"

Die junge Weltenbummlerin Emilia ist, nunmehr eine erwachsene Vollwaise, nach dem Tod ihres Vaters in ihre kleine britische Heimatstadt zurückgekehrt, wo nicht nur die Trauerfeierlichkeiten organisiert werden wollen, sondern auch der Nachlass geregelt werden muss: Julius, Emilias verstorbener Vater, hatte im Ort eine kleine, aber feine Buchhandlung aufgebaut und bis zuletzt Kaufangebote des hiesigen "Immobilienhais" abgelehnt, der seinen angrenzenden Gebäudekomplex allzu gerne um einige weitere Wohneinheiten ergänzen würde.

Nach Durchsicht der Papiere stellt die durchaus ebenfalls bibliophlle Emilia fest, dass sich die Buchhandlung längst in einer finanziellen Schieflage befindet und so sehr sie auch an diesem Erbe ihres Vaters hängt, hadert sie doch damit: Will sie wirklich die Buchhandlung übernehmen und sich wieder fest niederlassen, kann sie den Laden überhaupt wieder auf Kurs bringen? Oder ist es nicht doch besser, zu verkaufen?
Während Emilia versucht, zunächst einmal etwas Ordnung in die Geschäftsführung zu bringen, trifft sie mit diversen Menschen zusammen, die alle etwas mit Julius und seiner Buchhandlung verbindet - und Emilia merkt, dass sie die Rolle ihres Vaters doch auch ausfüllen könnte...

Veronica Henry: "How to Find Love in a Book Shop"


Ich wusste ursprünglich gar nicht, was mich hier erwarten würde: Die Kurzbeschreibung klang so ein bisschen nach Liebesroman, ein wenig nach Drama, etwas nach Selbstfindungstrip - letztlich entpuppte sich das Buch als "von Allem ein bisschen" und ist dabei doch sehr viel Liebesroman und damit ist ein Rundumschlag an Liebe gemeint.
Emilia als Protagonistin funktioniert lediglich als roter Faden, der sich durch das gesamte Buch zieht, in dem weiterhin parallel noch die Geschichten diverser Ortsbewohner erzählt werden: Letztlich gibt es da also diverse Hauptfiguren, von Sarah, der Herrin des lokalen großen Guts mit dem wunderschönen Parkareal, die mit Julius eine heimliche außereheliche Liebschaft unterhalten hatte bis hin zur schüchternen Lehrerin Thomasina, die eine Leidenschaft für Kochbücher unterhält und in ihrem kleinen Häuslein eine Art Pop-up-Restaurant für Paare betreibt. Jackson, aufgrund seines Aussehens zweifelsohne als Womanizer zu bezeichnen, soll Emilia im Auftrag vom Verkauf des Buchladens überzeugen und kommt statt ihr letztlich seinem kleinen Sohn durchs Vorlesen empfohlener Bücher näher... Emilia knüpft erneut zarte Bande zu ihrem alten Schwarm Marlowe, der mit ihrem Vater in einem Streichquartett spielte, in welchem sie Julius' Platz am Cello einnehmen soll, da demnächst die Hochzeit von Sarahs Tochter Alice mit dem Städter Hugh ansteht, wo das Quartett aufspielen soll - unterdessen ist der Gärtner des herrschaftlichen Anwesens gar nicht angetan davon, dass Alice einen anderen Mann als ihn heiraten will...
Es gibt also relativ viele Personen, die hier im Fokus stehen (über Bea habe ich dabei beispielsweise hier -bis jetzt- noch nichtmal ein einziges Wort verloren), wobei es sich für mich nie als Problem darstellte, diese verschiedenen "Einzelschicksale" auseinanderhalten zu können; ich fand es sehr übersichtlich.
Allerdings habe ich ab und an doch überlegt, ob mir Romane nicht doch mehr zusagen, wenn maximal zwei Personen ganz klar zentriert werden, was eien rein persönliche Präferenz wäre. Jedenfalls: Wer Romane, welche die Geschichten gleich mehrerer Personen erzählen, nicht mag, wird mit "How to Find Love in a Book Shop" sicher nicht zufrieden sein.

Ohnehin ist es hier gar nicht so sehr "wie man Liebe in einer Buchhandlung findet", sondern eher "wie man sie drumherum findet". Es ist definitiv nicht so, dass sich die gesamte Handlung im Buchladen abspielt: tatsächlich findet in der Buchhandlung selbst der geringste Anteil der Erzählung statt.

Eingangs gibt es übrigens einen enormen Zeitsprung, denn der Roman schwenkt gleich zurück zu einem Zeitpunkt noch vor Emilias Geburt in einen anderen Buchladen, in welchem Julius und Emilias Mutter sich kennengelernt hatten. Das mit der definitiv "im Buchladen gefundenen Liebe" findet also schon sehr frühzeitig ganz definitiv statt; dieser Zeitstrang endet erst nach Emilias Geburt und liest sich dabei so allzeit-klassisch, dass ich es zunächst völlig verpeilt habe, dass dieser Teil der Erzählung vor knapp 35 jahren stattfand (obschon die Kapitel glaskar zeitlich überschrieben sind).

Insgesamt ist “How to Find Love in a Book Shop” für mich eine große Hommage an Chancen und Neuanfänge gewesen, eine große Erzählung vom “Mut machen und Mut finden”, wobei mit dem Mut häufig das größte Glück einhergeht. Es ist zwar Triviallektüre, aber doch auch ein Buch zum Drübernachdenken, ob man sich die ein oder andere Buchfigur nicht doch auch zum Vorbild nehmen wollte, und definitiv ein erwachsener Roman. Womöglich emfindet ihn so mancher Leser als ähnlich Nora Roberts oder Lori Nelson Spielman; allerdings fehlte mir da im Vergleich der ganz große Kitsch, die ganz tiefe Gefühlsduselei. Mich hat es auch ein bisschen an die Einzelromane von Susan Elizabeth Phillips erinnert, ohne den humoristischen Anteil. “Schmunzelmomente” sind hier wenn dann sehr rar gesät.

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Veronica Henry: “How to Find Love in a Book Shop” - ein schöner, zeitgenössischer Roman voller liebenswerter Facetten!
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"How to Find Love in a Book Shop" von Veronica Henry, veröffentlicht im Juni 2016
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