Montag, 12. Februar 2018

Charlotte Fallowfield: "Until we Collide"

Paige hat sich schon als Jugendliche Hals über Kopf in den Mädchenschwarm Alec verliebt, aber die Umstände sprachen von Beginn an gegen die Beiden als Paar: als junge Erwachsene, den Abschluss fest in der Tasche, verlässt Paige Grossbritannien, um als Nanny auf den Caymans zu arbeiten; Alec lässt sich unterdessen zum Modefotografen ausbilden, der bald schon sehr gefragt ist und ständig von Shooting zu Shooting jettet.
Nachdem Paige nach England zurückgekehrt ist, startet sie, von Alec angeregt, eine Modelkarriere und wird schnell zu einem der begehrtesten Lingerie- und Bademodenmodels der Welt. Paige fühlt sich nach wie vor von Alec angezogen, aber jedes Aufeinandertreffen wird zu einer verpassten Gelegenheit und während sowohl er als auch sie ständig um die Welt reisen, sich nur selten begegnen, sind beide bemüht, ihre eigenen Leben, unabhängig voneinander, zu leben. 
Alec scheint erfolgreicher in seinem Bestreben, sesshaft zu werden, zu sein; Paige hingegen gerät von einem Datingdesaster in das nächste, obschon ihre Beziehungen zunächst häufig vielversprechend beginnen. Dass es sich bei Paige um einen ausgewachsenen Tollpatsch handelt, macht all diese Desaster häufig nur noch peinlicher, aber irgendwann muss sie sich halt mal zusammenreissen und endgültig damit aufhören, Alec hinterherzuschmachten…?!

Charlotte Fallowfield: „Until we Collide“


In der Amazon-Buchbeschreibung wird eine Stimme zum Buch zitiert, die diesen Roman wie folgt beschrieb: “Fans of Bridget Jones will love this. Brit rom-com at its finest." (TotallyBookedBlog <- „Until we Collide“-zugehörige Rezension dort findet sich hinter der Verlinkung). Das war für mich der ausschlaggebende Punkt, dieses eBook nun aus den Tiefen meiner Cloud zu buddeln, in der der Roman schon seit letztem Frühling schwebt(e). (Auch „Until we Collide“ war dereinst ein Gratisangebot und um es vorwegzunehmen: Würde ich den Roman regulär kaufen? Ich weiss es, ehrlich gesagt, nicht. Würde ich ihn im Rahmen von KindleUnlimited ausleihen? Durchaus.)
Ich wollte was Fluffiges, was Leichtes, was Schmunzeliges, was Tollpatschiges, was Schräges …: Da klang die TotallyBookedBlog-Empfehlung nach einem klaren Treffer, und dann wirkt ja auch das Cover noch recht heiter. Als ich „Until we Collide“ zu lesen begann, war ich nach wie vor in meiner „Sch…trübes Wintermatschwetter, ich will’s hell und/oder bunt auf Buchcovern!“-Phase, die ich schon in meiner Vorstellung von Eryn Scotts „Settling Up“ angesprochen hatte. (Nicht, dass ich von irgendwelchen Farbexplosionen auf meinem Paperwhite überhaupt irgendetwas haben würde.)

So, da schmökerte ich mich dann also durch „Until we Collide“, das komplett von Paige erzählt wird und ja, Paige war sehr Bridget Jones. Nur halt mit Sexbombenfigur, optisch halt eher der Kate-Upton-Typ. Diese Optik schlug sich später, oder eher sehr bald im Buch, dann in der Megasuperdupertopmodelkarriere nieder, und ich gebe zu, dass das der erste Punkt war, an dem ich dachte: „Echt jetzt?!“ Ihr Aussehen spielt ganz am Anfang des Romans noch gar keine Rolle, irgendwann empfiehlt Alec ihr später, eine bestimmte Modelagentur aufzusuchen und ab da: boom, kawuum. Paige ist zu diesem Zeitpunkt Anfang 20, sieht sich selbst eher als gewöhnliche junge Frau, nicht allzu auffällig an, die als solche in die Agentur hineinspaziert, aber als sie herauskommt, ist sie plötzlich die totale Sexbombe, der alle hinterherstarren?! Gut, ihr neuer Modelboss verordnet ihr erstmal ein ordentliches Training, aber das besteht hauptsächlich daraus, posieren und auf dem Laufsteg laufen zu üben. Ein dolles Umstyling gibt es nicht und es ist mir echt ein Rätsel geblieben, wie „voll die Sexbombe sein“ so lange vor Paige selbst verborgen geblieben sein sollte und wieso Leute auf der Strasse erst dann damit angefangen haben sollten, sie (sabbernd) anzustarren, nachdem sie ihren Modelvertrag in der Tasche hatte. Komisch.
Mein zweiter „Echt jetzt?“-Moment kam, als beschrieben wurde, dass Alec nun ein Megasuperdupertopmodefotograf geworden war, mit dem einfach alle shooten wollten. Klar, dass Spitzenmodel und der Spitzenfotograf… - das war mir dann doch ein bisschen zu sehr überzogenes Klischee; hätte es nicht gereicht, wenn Beide einfach nur zu den Besten ihres jeweiligen Fachs gezählt hätten?
Bei Amazon (DE) gibt es aktuell eine negative Kundenstimme, von wem, der wohl an exakt dieser Stelle dann abgebrochen hat: Ich kann es diesem Leser nicht verdenken. Ich rechnete schon fast damit, als Nächstes zu erfahren, dass Beide nun in einem halben Jahr Arbeit locker eine Milliarde Verdienst einfahren würden.

Die „Beziehung“ zwischen Alec und Paige blieb mir auch eher fremd: Da war sehr viel optische Anziehungskraft, aber ganz ehrlich? Die Beiden trafen eher sehr selten aufeinander, häufig nur für ein paar Minuten, und Paiges „Alec hinterherschmachten“ war für mich eher Fangirling als echte Gefühle.

Da Alec ja eh immer gleich wieder weg ist, wenn sie sich mal treffen oder Paige selbst kurz darauf zum nächsten Shooting aufbrechen muss, beginnt Paige also bald, auch dem Rest der Männerwelt eine Chance zu geben – zumal Alec sich auch anderweitig vergibt, und zwar an eine, wie immer wieder durchklingt, „schlechtere Kopie“ Paiges.   Hier wird der Roman eigentlich erst lustig, denn jetzt erst kommen tatsächlich diese ganzen Bridget-Jones-Momente: Paige tendiert dazu, bei ihrer Männerwahl gehörig danebenzugreifen; und da wird es in fast allen Fällen richtig skurril. Das ist zwar durchaus lustig, aber auch völlig lächerlich: Ich habe häufig gelacht, aber im Grunde genommen empfand ich die Erzählungen von Paiges Männerbekanntschaften auf Dauer sehr albern. In der Hinsicht war „Until we Collide“ wie eine dieser typischen TV-Pannenshows, nur dass es mit Paige lediglich eine einzige Person gab, der all diese Pannen widerfuhren. Also als würde man die Slapstick-Nummern von Dick & Doof in Dauerschleife schauen.
Prinzipiell war das wohl mein dritter „Echt, jetzt?“-Moment: Wieso erwischte sie nie mal einen ganz normalen Typen?! So einen gibt es dann zwar auch, aber der torpedierte dann halt die Beziehung zu Paige auf „herkömmlichere“ Weise. 
Wie gesagt: Ich fand’s lustig, aber überhaupt nicht romantisch (von einer sehr schmalzigen Liebeserklärung reichlich zum Schluss hin abgesehen). Für Heiterkeit hat „Until we Collide“ bei mir durchaus sorgen können und ich kann mir auch gut vorstellen, noch weitere Fallowfield-Werke zu lesen, die sich dann hoffentlich nicht stellenweise als allzu gestreckt erweisen.

Denn was mich an diesem Roman wirklich nervte: Es gibt immer wieder diese zufälligen Zusammentreffen von Alec und Paige und jedes Mal wirken diese eingangs wie „aber jetzt, jetzt kriegen sie sich“, aber das passiert nicht. Nach ungefähr der vierten dieser Begegnungen hatte ich davon eigentlich längst die Schnauze voll und fand es nur noch ermüdend; ich hatte den Roman erst halb ausgelesen, als ich dachte: „Hoffentlich treffen sie sich als Nächstes bei einem gemeinsamen Fotoshooting, und wenn es dann immer noch nix mit den Zweien wird: Hoffentlich werden sie dann gemeinsam von nem herabfallenden Scheinwerfer erschlagen.“ Da war „Until we Collide“ sehr bald auch so streng durchgetaktet: Paige datet Klappspaten Eins, Wiedersehen mit Alec plus Abschied von Alec, Paige datet Klappspaten Zwei, Wiedersehen mit Alec plus Abschied von Alec, Paige datet Klappspaten Drei, Wiedersehen mit Alec plus Abschied von Alec, Paige datet Klappspaten Vier, Wiedersehen mit Alec plus… ach, ihr erkennt den Rhythmus.

Irgendwie habe ich jetzt echt viel gemosert (und noch nicht erwähnt, wie furchtbar überflüssig ich den Epilog fand, der spielt, als Paige Ende 40 ist); dabei fand ich „Until we Collide“ gar nicht so übel. Ich fand die Geschichte im Grossen und Ganzen zwar völlig überzogen, aber doch auch unterhaltsam. Kennt ihr vielleicht auch wen sehr Lautes, sehr Gesprächiges, bei dem ihr euch freut, ihn mal wiederzusehen, weil er Stimmung verspricht – aber es reicht euch völlig aus, diesen Jemand einmal jährlich zu treffen, weil nach zwei Stunden exzessiver, expressiver Heiterkeit zehrt dessen Art dann doch an euren Nerven?! Diese Person und dieser Roman sind eins. ;)

„Until we Collide“ wird wohl dieselbe Zielgruppe wie „Settling Up“ ansprechen, wobei ich den Geschichtsaufbau und die Entwicklung der Hauptfigur in letzterem Buch doch noch ansprechender, und vor Allem: authentischer, fand. Im Gegenzug ist „Until we Collide“ dann deutlich mehr zum Lachen, aber halt auch lächerlicher.

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Charlotte Fallowfield: „Until we Collide“ – zum Lachen, aber nicht zum Ernstnehmen!
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„Until we Collide“ von Charlotte Fallowfield, erschienen Januar 2016
Amazon: Kindle eBook (3,49€)* [auch via KindleUnlimited entleihbar] / Taschenbuch (7,48€ [190 Seiten])*

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