Mittwoch, 16. September 2015

Cassie Mae als Becca Ann: "Reasons I Fell for the Funny Fat Friend"

Brody ist bereits zu der Zeit, als sie noch mit seinem älteren Bruder liiert war, in seine Mitschülerin Quynn verliebt, zu der er ein eher brüderliches Verhältnis entwickelt hat.
Nachdem die Beziehung zwischen Quynn und Brodys Bruder an Gabes Untreue zerbrochen ist, hofft Brody auf das „Wunder“, welches Quynn ihn nicht länger als Bruderkumpel betrachten lässt und seine letzten Zweifel beseitigt, ob es nicht doch gegen irgendeine ungeschriebene Regel verstösst, sich um die sitzengelassene Ex des Bruders zu bemühen.

Als „Wundermittel“ bietet sich Hayley, Brodys Kurspartnerin in Amerikanischer Gebärdensprache, an, die verkündet, sich längst als Verkupplerin bewährt zu haben und zu wissen, wie Brody sich als potentieller Partner für Quynn interessant machen kann.

In Folge verbringen Brody und Hayley sehr viel Zeit miteinander, in welcher Hayley ihn Richtung Quynn anleiten will und in der sich Hayley und Brody immer mehr miteinander anfreunden – bis Brody sich nahezu sicher ist, dass er doch viel mehr an Hayley als an Quynn interessiert ist. Doch Hayley sieht sich fix auf der Position des „FFF“, des „funny fat friend“. …

Becca Ann ist ein Pseudonym der Autorin Cassie Mae, die im amerikanischen Raum insbesondere aufgrund ihrer „How To…“.Romane („How to Date a Nerd“, „How to Seduce a Band Geek“ und „How to Hook a Bookworm“) bereits leidlich bekannt ist: Auch bei jenen Romanen handelt es sich wie nun bei „Reasons I Fell for the Funny Fat Friend“ um Jugendromane, deren Protagonisten sich im fortgeschritteneren Highschoolalter, sprich: ein, zwei Jahre vom Abschluss entfernt, befinden.
„Reasons I Fell for the Funny Fat Friend“ ist lediglich insofern ein wenig “anders”, als dass hier die männliche Hauptfigur als personaler Erzähler auftritt: Man bekommt die Geschichte lediglich von Brody, aus Brodys Sicht heraus, erzählt.
Grade im Bereich der NA Romances ist es zwar derzeit gängig, dass Liebesgeschichten erst vom Mädel und in einem Nachfolgeband nochmals aus der männlichen Perspektive erzählt werden, aber auch dort kommt es kaum vor, dass der erste Teil aus der männlichen Sicht heraus wiedergegeben wird, Im Übrigen: Nein, es gibt hier keinen weiteren Teil, in dem Hayley als Erzählerin auftritt. Da dieser Roman nun bereits Anfang 2013 erschienen ist, gehe ich auch nicht unbedingt davon aus, dass es ein solches Buch jemals noch geben wird. Muss ja aber auch nicht. Oder doch?! Hm…

Hayley ist fantastisch: Sie tritt immer sehr fröhlich und unbekümmert auf; lediglich, was ihr Zuhause angeht, blockt sie -zunächst unerklärt, später bietet die Geschichte die Begründung- rigoros ab. Aber weder löste dies in mir die Befürchtung aus, sie könne daheim eventuell misshandelt oder Ähnliches werden, noch hatte ich angesichts ihrer sonstigen Unbeschwertheit und eher abgeklärten Art das Gefühl, sie wolle einfach ein „heimisches Leiden“ überspielen. Sie wirkte nie maskiert, sondern immer authentisch.
Ihre Liebenswürdigkeit wurde durch ihr Beharren auf ihrer Kumpeline-Position verstärkt: Es war irgendwie süss, wie sie sich selbst so gar nicht als reizvolles Wesen wahrnahm/vorstellen konnte und sich selbst zur „lustigen, fetten Freundin“ erklärt hatte.
Dabei beginnt der ganze Roman mit Brodys Irritiertheit darüber, dass auch weitere Mitschüler Hayley gerne aufgrund ihrer Figur zu veräppeln versuchen, worauf Hayley allerdings gar nicht weiter eingeht. Denn sie selbst ist im Grunde genommen völlig zufrieden mit ihrem Gewicht und auch Brody bekundet gleich eingangs, dass er Hayley als völlig normalgewichtig empfindet und seiner nachvollziehbaren Theorie zufolge bestehen die meisten „Ich bin zu dick!“-Aussagen ohnehin nur darin, dass man versucht, sich in zu kleine Klamotten zu zwängen und sich zudem prinzipiell nur mit der magersten Bekannten vergleicht, welche tatsächlich in Size Zero passt. (Später im Roman wird übrigens beiläufig erwähnt, dass Hayley, in unseren Kleidergrössen gerechnet, wohl maximal eine 40 trägt.)
Das „fat friend“ ist also bereits sehr überzogen und wohl auch, so wie Hayley sich selbst gibt, eher sarkastisch gemeint.

Brody ist ein sehr genauer Beobachter, wenn auch ein schlechter Analyst: Man selbst bekommt eigentlich indirekt sehr viel über Hayley durch Brodys Schilderungen verraten; ich hatte da recht früh den Eindruck, dass Hayley selbst auch längst für Brody schwärmte, während sie für ihn eher undurchschaubar blieb, ein Rätsel, das er mehr und mehr unbedingt lösen wollte.
Aber seine exakten Wiedergaben würden nun eigentlich auch einen weiteren Teil, in dem Hayley ihre Sicht der Dinge darlegt, überflüssig machen: Meines Erachtens wäre das definitiv zu wiederholend, denn liest man genau, erfährt man Hayleys Erleben der Handlung bereits hier recht detailliert.
Brody empfand ich auch als einen sehr angenehmen Erzähler, zumal er mal ein „ganz normaler Junge“ war; später bekam er zwar gesagt, dass er ein ziemlicher Hottie sei, bewusst war er sich dessen aber nicht. Also eine Player-Attitüde haftete ihm definitiv nicht an!

Was mir nicht so sehr gefiel, war, wie das Ende abgehandelt wurde: Hier gab es einen kleinen Zeitsprung, bei dem zwar nur über den Schulabschluss hinweggehopst wurde, der es aber so ziemlich unerwähnt liess, wie das restliche Schuljahr privat bei Heyley daheim verlaufen war, denn die dort auftretenden Schwierigkeiten wurden innert der Erzählung zuvor durchaus als doch sehr eindringlich erwähnt. Zumindest in diesem Zusammenhang würde ich mir also doch noch einen weiteren Teil wünschen bzw. gewünscht haben, in dem ein wenig mehr (oder überhaupt!) darauf eingegangen wird, wie es Hayley bis zum Studienbeginn daheim weiterhin ergangen ist. Das blieb mir hier nun eben doch ein wenig zu sehr lückenhaft.
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Becca Ann: „Reasons I Fell for the Funny Fat Friend“ empfand ich von Anfang bis Ende als einen sehr angenehm zu lesenden und unterhaltenden Jugendroman, dessen Schlussteil meiner Meinung nach aber etwas zu knapp ausfiel.
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„Reasons I Fell for the Funny Fat Friend“ von Becca Ann,  veröffentlicht Januar 2013
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