Montag, 11. Januar 2016

Ali Harper: "Beautiful Bedlam"

Dass sie ein heisser Feger ist, ist der 17jährigen Sienna nicht bewusst: Doch umso deutlich nimmt sie das Auseinanderdriften der elterlichen Ehe, die regelmässigen Streitigkeiten zwischen den Eltern, und den missbräuchlichen Alkoholkonsum der Mutter wahr. Ihre älteren Zwillingsschwestern haben willkürlich Sienna zum Sündenbock auserkoren, der für jedes innerfamiliäre Problem verantwortlich ist und Sienna spürt, dass auch ihre Eltern sie anders behandeln: Die Mutter begegnet ihr weitgehend mit unverhohlener Verachtung, der Vater erhebt auch schonmal die Hand, um Sienna später mit „gekaufter Liebe“ zu überschütten, und in ihrem Umfeld ist Siennas angebliche Tollpatschigkeit längst berühmt-berüchtigt ohne dass jemand zu ahnen scheint, dass hinter ihren blauen Flecken häusliche Gewalt steckt.
Nur in einem scheint sich die offensichtlich dysfunktionale Familie einig zu sein: Die jüngste Schwester Annie nicht merken zu lassen, wie kaputt die Familie längst ist.

Zudem wird Sienna immer wieder von Halluzinationen heimgesucht, die sie völlig verwirren und von denen sie keinem erzählt: Als ihr Kindheitsfreund und damaliger Schwarm Logan, der Prototyp des schwerreichen und heissen Bad Boys, an ihre Schule zurückkehrt, nachdem er zwei Jahre zuvor ohne Abschiedsworte in ein Privatinternat verschwunden gewesen sein sollte, fühlt sie sich gleich wieder zu ihm hingezogen.

Aber die Schwierigkeiten innert Siennas Familie werden offensichtlich und grade, als Sienna endlich ihr persönliches Glück gefunden zu haben scheint, ereignet sich ein absolutes Familiendrama: Sienna flippt völlig aus – und findet sich in der Psychiatrie wieder.
Wie normal kann Siennas Leben sein?

Ali Harper: „Beautiful Bedlam“ 


Mit „Grayson“ (Lisa Eugene) und „If“ (N.G. Jones) habe ich auf diesem Blog ja bereits zwei Romane vorgestellt gehabt, in denen die Protagonisten psychisch erkrankt waren. In „Beautiful Bedlam“ ist nun also die weibliche Hauptfigur derartig betroffen.

„Beautiful Bedlam“ ist ein Coming-of-Age-Roman, der sehr umfassend ist: Hier wird sich nicht ausschliesslich auf den romantischen Aspekt beschränkt, sondern Siennas Leben wird quasi von allen Seiten beleuchtet.
Letztlich wird besonderes Augenmerk eben auch auf die psychische Erkrankung gelegt und wie vor Allem auch das Umfeld nach deren Bekanntwerden auf Sienna, die zuvor, unbehandelt, teils schon unkontrollierbar aufgetreten war, reagiert oder welch teils abstrusen Gerüchtesuppen da auch in der Gerüchteküche gekocht werden.

Ich muss zugeben, dass ich positiv überrascht war: Irgendwie hatte ich eingangs eher mehr mit der typischen locker-leichten YA Romance, ein paar Dramamomente lässig eingestreut, gerechnet und nachdem recht früh Visionen Siennas erwähnt wurden, hatte ich erst befürchtet, dass die ganze Geschichte nun irgendwie doch noch in eine paranormale Fantasywelt (zumal das Cover in meinen Augen auch absolut geheimnisvoll und mehr so wie „in einer anderen Dunkelwelt spielend“ wirkt) abdriften könnte, aber gut, diese „Sichtungen“ erklärten sich dann doch mit den krankheitsbedingten Halluzinationen und ich war beruhigt: Immerhin wirkte die Handlung bis dahin auf mich so real und authentisch, dass ich es der Autorin wohl wirklich übel genommen hätte, wäre sie innert des Romans nun von YA Contemporary zu YA Fantasy gewechselt.

„Beautiful Bedlam“ ist übrigens mal wieder ein Roman dieses Genres, der nicht aus der Ich-Perspektive erzählt wird: stattdessen gibt es hier den allwissenden Erzähler, der zwar auch auf Sienna fokussiert ist, aber immer mal wieder auch einstreut, was in einer anderen Figur, über die man sich als Leser grad ein wenig wunderte, just vorging. Das war mir wiederum teils schon zuviel; manchmal hätte es mir da ausgereicht, zunächst einmal verwundert zurückzubleiben und eben nicht auch die Gedankengänge anderer Personen aufgedröselt zu bekommen, zumal neben Sienna sicherlich in erster Linie Logan eine tragende Hauptrolle in diesem Roman spielte, aber eben auch aufgeschlüsselt wurde, was in „Randfiguren“ vorging und was die Beweggründe dieser für diverse Aussagen und Aktionen war.
Das war für mich eben manches Mal doch zuviel an Information und an zwei oder drei Stellen fand ich es auch irritierend, dass plötzlich Einblick in eine prinzipiell nebensächliche Figur gegeben wurde, besonders, wenn dieser Einblick sich dann sehr weit von Sienna und der Grundhandlung entfernt zu bewegen begann. Stellenweise war das dann auch ein bisschen „woher weiss die Erzählstimme das jetzt überhaupt wieder?“, da sich diese Einblicke eben nicht strikt durch das Buch zogen, sondern immer mal wieder kurz eine andere Nebenfigur unvermittelt scheinwerferbestrahlt wurde, während sie im nächsten Satz wieder nur quasi irgendeine beliebige Nebenfigur war.

In Siennas Fall möchte ich festhalten, dass sie Ecken und Kanten zeigte; ich mochte sie nicht immer und stellenweise machte sie es mir auch ganz schön schwer, sie zu mögen geschweige denn zu verstehen; auch wenn grade Mutter und ältere Schwestern dem Ganzen eine gewisse „Aschenputtel“-Würze verliehen, war es nun nicht so, dass ich Sienna nur toll fand und lediglich bemitleidete. Gut, ihre Familie blieb mir, abgesehen von der kleinen Schwester, bis zum Ende reichlich unsympathisch, definitiv unsympathischer als Sienna es je war, aber nichtsdestotrotz war Sienna doch fast während der ganzen Geschichte eine ziemlich unberechenbare Person, auf die man sich nicht so verlassen konnte, wie man es gemeinhin auf „Lieblingsfiguren“ doch so oft tun kann.
Dadurch erhielt die gesamte Handlung aber auch deutlich mehr Komplexität und der Spannung tat es natürlich auch keinen Abbruch, dass man nie sagen konnte, wie sich Sienna im nächsten Moment, erst recht nicht während Krankheitsschüben, verhalten würde.

Insgesamt hat mir „Beautiful Bedlam“ doch sehr gut gefallen und mich die Geschichte auch absolut nicht in sich aufsaugen können.

Mit „Breaking Bedlam“ gibt es übrigens noch einen weiteren Teil dieser Reihe, den ich auch als Nächstes hier auf dem Blog vorstellen werde: Ich war nach „Beautiful Bedlam“ einerseits froh, noch mehr von Sienna lesen zu können, doch andererseits ist das Ende von „Beautiful Bedlam“ doch eigentlich auch so rund  gewesen wie es YA Romances nur sein können, dass ich gar nicht unbedingt eine Fortsetzung benötigt haben würde. Nichtsdestotrotz habe ich mich eben drüber gefreut, quasi nahtlos weiterlesen zu können. (Für „Breaking Bedlam“ ist es wiederum aber unerlässlich, vorher „Beautiful Bedlam“ gelesen zu haben!)  
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Ali Harper: „Beautiful Bedlam“ – eine eher schwere YA Romance, bei der durch die schwere psychische Erkrankung der Hauptfigur sowie ihre Lebensumstände die Liebesgeschichte nur einen Teilaspekt der Geschichte abbildet!
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„Beautiful Bedlam“ von Ali Harper, erschienen am 04.09.2014
Amazon: Kindle ebook (1,02€)* [aktuell zudem ohne weitere Zusatzkosten via KindleUnlimited* lesbar] 

Kommentare:

  1. Hallo :)
    Bin beim Stöbern hier hängen geblieben und bin ganz begeistert von deinem Blog und vor allem von deinen ausführlichen Rezensionen.
    Auch wenn das Buch ein paar Schwächen hatte, hast du mich doch neugierig gemacht.
    Schade, dass man es nur über Amazon bekommt. Aber vielleicht habe ich ja Glück und es wird irgendwann auch in anderen Formaten angeboten.

    Danke für die sehr interessante Rezension. Gern gelesen!
    Liebe Grüße
    Jacky :)

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  2. Hi,

    tolle, ausführliche Rezension! Das Lesen hat echt Spaß gemacht! Das Buch kannte ich auch noch nicht. Es hört sich echt interessant an!

    Liebe Grüße
    Nadine

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